Paarbeziehungen sind bunt wie das Leben. Das gilt auch für Segensfeiern, mit denen Menschen ihren gemeinsamen Lebensweg unter den Segen Gottes stellen wollen. Solche Feiern werden als wertvoll und kostbar erlebt, weil darin die Nähe Gottes bei den Menschen und bei diesem Paar erfahren wird. Lange war diese Vielfalt manchen ein Dorn im Auge, weil sie Vorstellungen, wie Beziehungen in der Kirche auszusehen hätten, zu widersprechen schien. Mittlerweile ist in Kirche und Gesellschaft vieles in Bewegung geraten. Nicht nur, dass unterschiedliche Paarkonstellationen und die Menschen darin akzeptiert und als Bereicherung empfunden werden. Auch dass Menschen auf ihrem Lebensweg inmitten der Glaubensgemeinschaft gesegnet werden möchten, findet mehr und mehr Unterstützung in der Theologie, in der Kirchenleitung, bei den Menschen in der Kirche. Das Projekt der AKF e.V. ermutigt zu solchen Segensfeiern, indem es Paare und Seelsorger:innen mit ihren positiven Erfahrungen zu Wort kommen lässt. Sie geben anderen Mut, ihren Weg als Paar ähnlich unter Gottes Segen zu stellen. Sie bestärken Seelsorger:innen, in ähnlichen Situationen vergleichbar engagiert zu handeln. Mit den unterschiedlichen Paarsegnungen hat sich die katholische Kirche auf einen neuen Weg begeben. Man wünscht diesen Feiern eine große Zukunft und immer neue Gestaltungen, in denen die Begegnung von Gott und Menschen nachdrücklich erfahren werden kann.
Am letzten Wochenende im Mai 2024 fand unsere standesamtliche Trauung und unsere Segensfeier statt.
Für unseren gemeinsamen Weg in die Zukunft haben wir uns bewusst für eine Segensfeier entschieden, weil wir eine alternative Form der Trauung suchten, die sehr persönlich und auf unsere individuellen Wünsche zugeschnitten war.
Zudem war uns wichtig mit Gottes Segen in unserer Partnerschaft begleitet zu werden, um unsere Liebe und unseren gemeinsamen Weg zu würdigen.
Gemeinsam mit Simone war es eine liebevoll gestaltete und bedeutsame Zeremonie. Angefangen von ihrer deutsch-polnischen Begrüßung, welche eine freudige Überraschung für alle war, über die wunderbare Einführung sowie Ansprache und dem bewegenden Einfall von ihr, dass Familie und Freunde die Lesung halten, bis zum berührenden Moment des Segens, wurde die Feier zu einem emotionalen und bedeutungsvollen Erlebnis.
Im Rahmen der Segensfeier lagen uns die zweisprachigen Fürbitten sehr am Herzen, da sie die Möglichkeit gaben, Wünsche, Hoffnungen, Gesundheit sowie Glück und Segen für die Familie, die Gemeinschaft und für uns als Paar auszudrücken.
Da einige Gäste aus dem Ausland angereist sind und der deutschen Sprache nicht mächtig waren, war es uns ebenso ein Herzensanliegen, dass „Vater unser“ zu beten. Denn unabhängig von der Sprache konnten alle Familienmitglieder und Gäste in Ihrer Muttersprache Gott ansprechen und um sein Wirken bitten.
Die Segensfeier mit Simone an unserer Seite war eine wunderschöne Gelegenheit, unsere Verbindung in einem besonderen Moment zu bekräftigen, Familie und Freunde einzubeziehen und den Segen für unsere Zukunft zu erbitten.
Unsere Segensfeier (als Ergänzung zur kirchlichen Trauung) fand am 20.05.2023 bei uns zu Hause im Garten statt.
Wir haben uns für eine Segensfeier entschieden, da wir den kirchlichen Segen mit unseren Freunden und Verwandten feiern wollten, allerdings nicht im Kirchengebäude, sondern auf der Wiese hinter unserem neu gebauten Haus, inmitten der Natur und unserem Lebensmittelpunkt. Durch die Segensfeier konnten wir beide Wünsche vereinen. Zudem war unser Wunsch, dass unser damaliger Gemeindereferent (zu dem wir ein sehr gutes Verhältnis haben) die Segensfeier leitet.
Die Feier begann ganz traditionell mit dem Einzug der Braut und der Begrüßung der Gäste. Danach folgten ein kurzes Gebet sowie ein Bibeltext zum Thema Liebe. Die danach vorgetragene, sehr persönlichen Ansprache an uns als Paar enthielt unsere Kennenlerngeschichte, einige witzige Anekdoten und einige Zitate von Freunden. Auch unser Trauspruch („Oftmals reicht ein einziger Mensch, um deine ganze Welt zum Leuchten zu bringen.“) wurde in die Ansprache integriert. Zwei Musiker haben die Segensfeier mit verschiedenen Liebesliedern umrahmt.
Nachdem wir uns öffentlich zu unserer Liebe bekannt haben, trugen unsere Geschwister persönliche Fürbitten vor. Zum Abschluss hielten unsere Trauzeugen eine sehr lustige und zugleich bewegende Rede.
Insgesamt war es für uns ein perfekter Tag mit einer schönen Mischung aus Segen, Gebet und persönlichen Komponenten, den wir inmitten von all unseren Liebsten gefeiert haben.
Sebastian (43) und Frank (46) sind einfach nur glücklich. „Ich habe es mir immer erhofft, einmal vor dem Altar zu stehen“, sagt Sebastian. „Davon träumt doch jeder“, sagt Frank. Allerdings sind die beiden schwul. Und katholisch.
Sie sitzen beim Video-Gespräch in ihrer Wohnung in einem katholisch geprägten Dorf direkt an der holländischen Grenze. Sebastian ist hier aufgewachsen, das Paar hat eine Wohnung in seinem Elternhaus. „Unsere Eltern wollen nur, dass wir glücklich sind“, sagt Sebastian. Und Frank sagt: „Meine Jungs – das sagt mein Vater immer zu uns.“
Seit vier Jahren sind die beiden zusammen, im August 2023 haben sie geheiratet – „auf Sylt, im Urlaub, nur für uns“, sagt Frank. „Es war ein toller Tag.“ Und doch fehlte den beiden etwas: Gottes Segen.
Voller Elan in die Hochzeitsvorbereitung
„Ich bin ganz katholisch aufgewachsen“, sagt Sebastian. „Meine Oma war Küsterin, ein paar Jahre hat meine Familie sogar mit dem damaligen Pfarrer zusammengewohnt. Ich kenne in der Kirche jede Ecke.“ Der Kontakt zur Gemeinde ist nie abgerissen und auch Frank fühlte sich gleich aufgenommen. „Aber dass wir mal zusammen in der Kirche stehen, konnten wir uns nicht vorstellen.“ Ihr Pfarrer schon. „Irgendwann hat er uns angesprochen und gesagt: Wir dürfen doch jetzt. Wollt ihr nicht eure Ehe segnen lassen?“, erzählt Sebastian. Und wie sie wollten! Mit Elan stürzten sie sich in die Vorbereitungen der Feier. „Frank hatte kaum Arbeit damit“, sagt Sebastian und meint damit nicht seinen Mann, sondern den Priester mit gleichem Namen, der die Feier geleitet hat: Gefängnisseelsorger „und ein Großcousin von mir“, sagt Frank.
Eigentlich, sagen die beiden, „sollte es ganz klein sein. Aber dann wollten so viele mitfeiern“: Familie, Freunde, Nachbarn, das halbe Dorf. „Die haben sich so sehr für uns gefreut“, sagt Sebastian. „Alle haben gesagt: Wie schön, dass wir das erleben dürfen!“ Frank ergänzt: „Auch die alten Leute haben uns in den Arm genommen und gratuliert.“
Und wie war die Feier? Beide strahlen: „Wunderschön!“ Frank sagt: „Dass wir Gottes Segen bekommen haben, das bedeutet mir sehr viel, da zehre ich von.“ Sebastian ergänzt: „Zusammen mit Frank in die Kirche hineinzugehen, das war unglaublich für mich. In dieser Kirche bin ich zur Erstkommunion gegangen und gefirmt worden, hier haben meine Eltern und Großeltern und Verwandte geheiratet. Und auf einmal stand ich hier mit meinem Mann.“ Das sei noch einmal eine andere Nummer gewesen als die standesamtliche Heirat auf Sylt: „Die Segensfeier war ein sehr bewegender, sehr emotionaler Moment. Gott im Nacken zu haben in allen Höhen und Tiefen, das hat mir unglaublich viel Kraft gegeben, das bestärkt mich jeden Tag.“
Dass sie das erste gleichgeschlechtliche Paar sind, dem in ihrer Dorfkirche der Segen Gottes zugesprochen wurde, finden sie nicht so wichtig. „Wir haben das nicht für andere gemacht oder für die Feier, sondern für uns aus unserem Glauben heraus“, sagt Frank. Davon erzählt haben sie trotzdem gern. Sebastian sagt: „Nicht nur, um unser Glück zu teilen, sondern auch um andere zu ermutigen, um Gottes Beistand und Segen für ihre gleichgeschlechtliche Ehe zu bitten. Das tut so gut.“
Geschrieben von Susanne Haverkamp, zuerst erschienen in den katholischen Magazinen der Verlagsgruppe Bistumspresse
Wie es im Leben so manchmal läuft, haben auch wir beide bereits eine erste Ehe mit Höhen und vor allem vielen Tiefen hinter uns. Dass wir nochmal einen Menschen in diesem Leben treffen, den wir von ganzem Herzen lieben und mit dem wir den Rest unseres Lebens verbringen wollen, haben wir beide nicht mehr für möglich gehalten. Doch plötzlich und unerwartet läuft man sich über den Weg und kann sein Glück kaum fassen.
Für uns beide war es tatsächlich Liebe auf den ersten Blick und unsere Herzen spürten sofort, da ist viel mehr als nur ein freundliches Lächeln und ein sympathischer Blick.
Die ersten Wochen und Monate verbrachten wir viel gemeinsame Zeit und lernten uns richtig kennen – bis über beide Ohren verliebt waren wir ja schon ;-).
Tief in unseren Herzen spürten wir schon von Beginn an, dass wir zusammengehören und dass unsere Begegnung definitiv kein Zufall war. Zu unserer gemeinsamen Zeit gehört von Beginn an die Nähe zu Gott zu suchen und uns zu bedanken, dass er uns durch schwere Zeiten geführt hat und dass wir uns begegnet sind. Unser gemeinsamer Glaube, gemeinsame Gebete und auch Innehalten an Grotten und Kraft-Tanken in Gotteshäusern ist fester Bestandteil unseres Lebens und unserer Liebe.
Somit stand für uns auch fest: Wenn wir unsere Liebe durch eine standesamtliche Hochzeit besiegeln wollen, wollen wir dies auch vor Gott im Rahmen einer kirchlichen Segensfeier zum Ausdruck bringen. Auf Grund unserer Vorgeschichte war uns beiden bewusst, dass eine kirchliche Trauung für uns nicht mehr möglich ist und der Weg einer Eheannullierung kam für uns nicht in Frage.
Durch die freundschaftliche Verbindung zu einem Priester hatten wir einen direkten Ansprechpartner zu unserer Frage, ob und in welcher Form eine Ehesegnung in einem Gotteshaus möglich ist. Wir hatten bereits davon gehört, dass eine kirchliche Segnung auch möglich ist.
Direkt und ohne zu zögern, sagte uns dieser Priester zu, die Paarsegnung sehr gerne durchzuführen und freute sich, dass wir diesen Weg gehen möchten. Wir beide waren überwältigt, dass er uns dies ermöglicht und mit uns gemeinsam diesen besonderen Tag vorbereitet. Direkt im Anschluss an unser erstes Gespräch schickte er uns einen möglichen Ablaufplan für eine solche Segensfeier. Außer der eigentlichen Trauung nach dem kirchlichen Trauritus fehlte es an nichts in dieser Feier.
Wir suchten sowohl eine passende Bibelstelle für die Lesung aus als auch schöne Lieder, die unsere Liebe widerspiegeln. Besonders freuten wir uns, dass unsere Kinder aus erster Ehe auch unsere Trauzeugen waren und in der Kirche die Fürbitten vortrugen. Somit war ihr Einverständnis zu unserer Ehe auch symbolisch in der Segensfeier verankert und sie begleiteten uns auf diesem Weg.
Die Segensfeier begingen wir in einer kleinen Kirche in unserer Heimatstadt und beide Familien sowie ein paar Freunde begleiteten uns in diesem besonderen Moment.
Der Priester betonte in seiner Ansprache, dass es Momente im Leben gibt, an denen man nicht mehr weiterweiß. Aber mit vollem Vertrauen und der tiefen Liebe zu Gott führt das Leben wieder zu sonnigen und schönen Tagen und eine zweite Chance wird einem geboten.
Auch unsere Familien waren von dieser Segensfeier sehr ergriffen und sprechen heute noch davon, wie emotional und feierlich diese Segnung stattfand. Sie hätten nicht gedacht, dass eine Segensfeier sich kaum von einer kirchlichen Trauung unterscheidet und in einem so feierlichen Rahmen ablaufen kann.
Voller Liebe und Dankbarkeit zu Gott, zu unserem Pfarrer und unseren beiden Familien, die wir durch diese Segensfeier vereint haben, blicken wir immer wieder auf diesen Tag zurück und er bleibt uns ewig im Herzen.
Wir sind seit 2014 ein Paar. Nach einiger Zeit war es für uns wichtig, unser Zusammensein unter den Segen Gottes zu stellen, auch wenn eine kirchliche Trauung aufgrund einer Vorehe für uns nicht möglich ist.
Wir wollten uns damit gegenseitig die Verbindlichkeit und Tiefe unserer Beziehung zum Ausdruck bringen.
Im April 2021 erteilte uns Diakon Stephan den Paarsegen. In einer kleinen Feier mit ausgesuchten Bibeltexten, Psalmen und Liedern sprach er uns Mut und Zuversicht zu und erteilte uns Gottes Segen für unseren gemeinsamen Weg. Die Nähe und Innigkeit der Zeremonie wurde besonders deutlich durch die körperliche Distanz und unsere Gesichtsmasken, die der damalige Coronasituation geschuldet war. Auch das gemeinsame Festessen im Anschluss an die Feier, zu dem wir unseren Zelebranten mehr als gerne eingeladen hätten, erschöpfte sich in der Übergabe einer ordentlichen Portion frisch gestochenen feinsten Spargels. Aber genau auch dieser besonderen Umstände wegen sind wir Stephan mehr als dankbar für die gemeinsame Feier unseres Paarsegens!
Aber eigentlich war alles ganz, ganz anders geplant gewesen!
Schon im Jahr 2020 hatten wir gemeinsam mit unserem Freund, Dekan Bernhard, die Idee zu einem Paarsegen für uns entworfen, den Rahmen dazu ausgestaltet, Texte und Lieder ausgewählt. Die Feier in kleinstem Kreis war für Samstagvormittag angesetzt, als uns am Freitagabend ein Anruf unseres Freundes erreichte: „So leid es mir tut, ich muss Euch für morgen absagen. Es geht mir nicht gut.“
In den Morgenstunden des Sonntags verstarb unser Freund.
Monate später rief uns Diakon Stephan an. Er hatte als enger Mitarbeiter und Testamentsvollstrecker des so unerwartet Verstorbenen nicht nur alle dienstlichen Belange zu regeln gehabt, sondern musste nun auch den persönlichen Nachlass sichten und auflösen. Das meiste war inzwischen getan, die Wohnung schon teilweise geräumt. Diakon Stephan wusste um unsere Freundschaft zu dem Verstorbenen. „Nächste Woche wird die Wohnung endgültig geräumt. Wollt Ihr nochmal vorbeischauen und Abschied nehmen?“
Gerne trafen wir uns in den so vertrauten Räumen und erzählten uns gegenseitig von dem Verstorbenen und ließen so Pfarrer Bernhard noch einmal in unserer kleinen Runde lebendig werden.
In Folge dieser Begegnung kam bei uns der Gedanke auf, den Nachlassverwalter unseres Freundes um die Segensfeier zu bitten, die Bernhard nicht mehr mit uns hatte feiern können.
Es war uns eine große Freude, dass Diakon Stephan ganz selbstverständlich und spontan zusagte.
Danke Stephan!
Die Erfahrung von Diakon Stephan lesen Sie weiter unten.
Wir lernten den Pfarrer, der uns einen Paarsegen spenden wollte, einige Monate vor unserer Feier im Jahr 2022 kennen. Er strahlte eine sehr coole und lockere Art aus und stellte sich uns mit seinem Vornamen vor. Im Kennenlerngespräch nahm er uns sehr selbstverständlich und unvoreingenommen auf und war vollkommen offen für unsere Ideen und Wünsche. Er besichtigte mit uns die verschiedenen Kirchen, für die er zuständig war, überließ uns jedoch die endgültige Entscheidung, wo wir letztendlich feiern wollten.
Mit der Zeit lernten wir drei uns immer besser kennen und mein Mann und ich waren jedes Mal aufs Neue beeindruckt und erstaunt, wie ein Pfarrer der katholischen Kirche uns entgegentrat: ohne Vorurteile und Kritik daran, unseren Wunsch nach einem Segen zu verwirklichen. Es war so einfach. Man liest oft das Gegenteil in den Medien und ist irgendwie überrascht, wenn wir als Paar genauso gleichwertig wie alle anderen Paare behandelt werden. Das mag für manche in Deutschland trivial erscheinen, aber für jemanden aus Südostasien, der in einer sehr gläubigen Familie aufgewachsen ist und die hinterlistigen und verletzenden Kommentare seiner Familie über homosexuelle Menschen sehr wohl gehört hat, war diese „Gleichgültigkeit“ einfach erstaunlich.
Am Hochzeitstag erschien der Pfarrer mit Gitarre in der Hand. Er überraschte uns während des Gottesdienstes mit seinem wundervollen Gesang und Talent! Bis zu diesem Moment war seine geplante Teilnahme an unserer Segnungsfeier ein Geheimnis, und es war herzerwärmend, festzustellen, dass er sich Gedanken gemacht hatte und der Feier eine ganz persönliche Note verleihen wollte. Meine eher „konservativen“ Eltern waren begeistert!
Die Erinnerung an den Augenblick, in dem ich mit meiner Mutter am Arm in den Saal trat und die strahlenden Gesichter all der Menschen sah, die uns über Jahre hinweg zur Seite standen, nimmt mir noch heute den Atem. Die wundervolle Kirchenorganisatorin hatte keine Mühe gespart, alles mit viel Liebe und Herz zu dekorieren. Es war ein überwältigender, rührender Moment, den mein Mann und ich niemals vergessen werden.
Durch den Pfarrer lernten wir auch weitere liebenswerte Menschen aus dem kleinen Ort in unserer Umgebung kennen. Bis heute laden sie uns jedes Jahr zu bewegenden Veranstaltungen in ihre Gemeinde ein – und wir sind dankbar, der Kirche durch ihnen wieder ein Stück näher gekommen zu sein.
Wir sind Rainer und Karl-Heinz. Kennengelernt haben wir uns 2003, ein Jahr später haben wir geheiratet – aus Liebe und aus dem tiefen Vertrauen heraus, dass Gott uns füreinander bestimmt hat. Unsere Beziehung trägt uns seit über zwanzig Jahren durch Höhen und Tiefen, und wir erleben jeden Tag aufs Neue: Unsere Liebe ist gesegnet.
Wir sind fest davon überzeugt: Gott ist die Liebe! Die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt. So heißt es bereits im 1. Johannesbrief. Die Liebe ist von Gott gesegnet! Dieser Segen kommt nicht von einer Kathedra, auch nicht durch eine Weihe! Er kommt direkt von Gott, der Quelle allen Segens.
Die Liebe hat uns zusammengeführt, trägt uns durch Freude und Zweifel, durch Nähe und Distanz. Als Paar leben wir aus dieser Liebe – und damit aus Gott. Als getaufte Christen sind wir tief verwurzelt in unserer Kirche, aktiv in der Gemeinde und schöpfen Kraft aus unserem Glauben. Und doch erleben wir Tag für Tag, dass wir nicht wirklich dazugehören. Das römische Lehramt nennt unsere Beziehung „ungeordnet“ und erklärt unsere Liebe zu einer Sünde. Daher darf unsere Beziehung offiziell nicht gesegnet werden. Das tut weh und verletzt uns, denn wir leben unsere Ehe in Verantwortung füreinander und in der Gewissheit, dass Gott in unserer Mitte ist.
Wir wünschen uns keinen besonderen Platz in der Kirche. Was wir uns wünschen ist ein Segen, der ohne Einschränkungen in einer würdigen liturgischen Feier gespendet wird. Alles andere wird unserem Leben und unserer Verbundenheit nicht gerecht. Wir möchten unsere Liebe und den Segen mit Familie und Freunden feiern. Wir möchten kein heimliches „Ja“, keine Segnung „im Vorübergehen“. Eine Liebe, die ehrlich, treu und lebensbejahend ist, braucht kein Versteck. Eine heimliche Segnung hinter halb oder ganz verschlossenen Türen kommt für uns nicht infrage. Jede Liebe muss sichtbar sein dürfen. Aber solange Segnungen im Verborgenen stattfinden müssen, bleibt etwas unvollständig. Es bleibt ein Segen 2. Klasse.
Natürlich sehen wir, dass sich etwas bewegt: Der Synodale Weg, Initiativen wie #Liebegewinnt und #OutInChurch haben Hoffnung geweckt, Mut gemacht und vieles in Bewegung gesetzt. Aber nochimmer fehlt der echte Kulturwandel. Regenbogenfahnen an Kirchtürmen sind wertvolle Zeichen, doch sie ersetzen kein ehrliches „Ja“ zu allen liebenden Paaren.
Wenn Gott die Liebe ist, dann ist die Liebe zwischen zwei Menschen so wertvoll, dass es undenkbar ist, diese Liebe nicht zu segnen.
Mit großem Interesse werden wir die weitere Entwicklung verfolgen. Mit großem Engagement werden wir den Reformprozess begleiten. Mit tiefem Gottvertrauen werden wir uns dafür einsetzten, dass alle Paarbeziehungen vorbehalts- und bedingungslos gesegnet werden können.
Den Bischöfen und dem Papst rufen wir zu: Gehen Sie furchtlos mit uns! Ihr beherztes „Ja“ zur uneingeschränkten kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist überfällig. Dieser Segen Gottes kann niemandem etwas wegnehmen, denn jede Liebe ist von Gott gesegnet und es ist genug Segen für alle da.
Ganz gleich ob mit oder ohne offizielle kirchliche Segnung: Wir sind alleine schon dadurch von Gott gesegnet, dass er uns zusammengeführt hat.
Gabi und Inge arbeiteten beide in einer Caritaswerkstatt. Beide haben eine psychische Behinderung (Borderline, Depression und Suchterkrankung) und haben sich bei der Arbeit kennengelernt. Ich war zu der besagten Zeit als Seelsorgerin in der Einrichtung tätig.
Gabi trat 2012 an mich heran, weil sie in die katholische Kirche konvertieren wollte. Es entwickelte sich folgendes Gespräch:
Ich: „Warum wollen Sie konvertieren?“
Gabi: „Ich möchte mit meiner Partnerin zusammen beten und in die Kirche gehen.“
Ich: „Sie wissen, wie die katholische Kirche zu Homosexualität steht und dass hier keine Segnungsfeiern für homosexuelle Paare gibt? Ist es dann nicht einfacher, wenn Ihre Partnerin evangelisch wird?“
Gabi: „Nein, ich will katholisch werden. Die Eltern von meiner Partnerin sind sehr katholisch. Da will ich katholisch werden. Das ist mir wichtig.“
Wir begannen mit dem Katechumenat. Ich hatte das Problem, einen Priester zu finden, der aufgrund dieser Begründung Gabi in die katholische Kirche aufnehmen würde. Ich fand diesen Priester. Gabi wurde Mitglied der katholischen Kirche.
Ca. ein Jahr später wollten Gabi und ihre Partnerin Inge ihre Partnerschaft eintragen lassen. Sie kamen wieder auf mich zu, sie wollten dazu auch einen kirchlichen Segen. Ich wies darauf hin, dass das schwierig werden könnte, ich sie aber unterstützen würde. Der Priester, der Gabi in die Kirche aufgenommen hatte, erklärte sich bereit, in einem kleinen Gottesdienst beide zu segnen. Gemeinsam bereiteten wir den Gottesdienst vor. Am Tag der standesamtlichen Trauung waren neben dem Paar noch die Eltern von Inge und Kollegen und Kolleginnen anwesend. Es gab eine gestaltete Kerze mit den Namen der beiden. In Gebeten, Lesung und Ansprache wurde deutlich betont, dass der Segen Gottes allen Menschen in allen Lebenssituationen gilt. Es war ein fröhliches Fest.
Ich habe Gabi und Inge noch viele Jahre begleitet. Es gab viele private und berufliche Rückschläge. Mehrmals war die Beziehung – auch aufgrund der gesundheitlichen Situation – angegriffen. Aber beide haben immer wieder zueinander gefunden. Sie erzählten mir irgendwann, dass die Segnung ihnen Kraft gäbe, immer wieder aufeinander zuzugehen. Bei Krisengesprächen zünden sie die Paarkerze an. „Dann sehen wir den Segen Gottes und können weitermachen“, sagte Gabi einmal.
Anna und Falk hatten mit dem leitenden Pfarrer unserer Seelsorgeeinheit vereinbart, dass er ihnen den Paarsegen erteilen würde. Wegen der Beschränkungen durch die COVID-19-Pandemie wurde das Vorhaben zurückgestellt, dann ist der Pfarrer überraschend verstorben. Einige Zeit später wurde ich von Falk angesprochen, ob ich die Segnung übernehmen würde. Ich vermute, dass er sich an mich gewendet hatte, weil er wusste, dass ich genauso wie das Paar mit dem Pfarrer befreundet war.
Falk und seine Ehefrau hatten sich vor längerer Zeit getrennt und er war eine neue Partnerschaft mit Anna eingegangen. Die beiden waren eng befreundet mit dem leitenden Pfarrer unserer Seelsorgeeinheit, mit dem sie sich öfters am Wochenende zu Gesprächen und zum gemeinsamen Kochen getroffen hatten. Anna und Falk war bewusst, dass und warum eine Wiederverheiratung aus kirchenrechtlicher Sicht nicht möglich ist. In den Gesprächen mit dem Pfarrer entstand dann aber der Wunsch, ihre Beziehung dennoch unter den Segen Gottes zu stellen und daraufhin wurde der Ablauf der Segensfeier gemeinsam geplant.
Mir war wichtig, dass das, was in den Gesprächen mit dem Pfarrer an Vertrauen in die Segenskraft Gottes geschaffen worden ist, nicht abbricht, sondern dadurch einen äußeren Abschluss findet, dass die Segensfeier tatsächlich stattfinden kann. Nach einem Telefonkontakt mit Falk hatten wir eine Videokonferenz vereinbart, bei der ich Anna kennenlernen durfte – Falk kannte ich schon seit vielen Jahren als einen engagierten Christen – und wir haben besprochen, wann und wie die bereits geplante Segensfeier ablaufen sollte.
Für Anna und Falk stand ihre Liebe zueinander und der Wunsch im Mittelpunkt, dass Gott in ihrer Beziehung gegenwärtig ist; es ging ihnen nicht darum, nach außen etwas zu demonstrieren. Die Segensfeier, die wir zu dritt gefeiert haben, fand deshalb in der Krypta der Pfarrkirche statt. Für mich wäre es schwierig gewesen, eine Segensfeier zu leiten, bei der Eindruck vermittelt wird, es handele sich um eine kirchliche Eheschließung.
Ich habe die Segensfeier als sehr stimmig erlebt, sowohl für das Paar als auch für mich selbst. Ich konnte spüren, dass die Feier die beiden in ihrer Liebe zueinander bestärkt. Es war für mich berührend, dass Falk und Anna das Vertrauen, das sie in den Pfarrer hatten, auch mir entgegengebracht hatten und dass ich dadurch eine seelsorgerliche Aufgabe zu Ende bringen konnte, die der Pfarrer begonnen hatte.
Ein Segen ist ein unverdienter und voraussetzungsloser Zuspruch der Liebe Gottes. Wenn Paare bereit sind, füreinander Verantwortung zu übernehmen und dies in der Überzeugung tun, dass Gott sie darin bestärkt, dann darf ihnen der Segen als äußeres Zeichen nicht verwehrt werden. Ich sehe meine Aufgabe darin, Paare im Gespräch darin zu bestärken, ihre Partnerschaft aus dem Glauben an Gott zu leben, der das Heil der Menschen will, und zwar auch dann, wenn eine kirchenrechtliche gültige Eheschließung nicht möglich ist. Wenn im Gespräch ein gemeinsames Verständnis über die Bedeutung des Paarsegens erzielt wird und der äußerliche Rahmen der Segensfeier passend ist, dann besteht auch keine Gefahr, dass es zu einer Verwechslung mit dem Sakrament der Ehe kommt und dann steht der Paarsegen auch nicht im Widerspruch zum Glauben der katholischen Kirche.
Stephan, 62 Jahre, Ständiger Diakon
Die Erfahrung von Anna & Falk können Sie weiter oben lesen.
Diese Versprechensfeier fand im Jahr 2003 statt. Ellen und Sabine arbeiteten damals beide im kirchlichen Dienst. Zu ihrem 10jährigen Jubiläum planten sie eine Versprechensfeier. Ellen fragte einen ihr bekannten, aus dem Dienst ausgeschiedenen Priester, ob er sie beide segnen würde. Die Antwort lautete: „Warum macht ihr das nicht selbst? Das Sakrament spenden sich die Eheleute gegenseitig, nicht der Priester.“
Das nahmen beide zum Anlass, gemeinsam eine Zeremonie zu entwickeln. Eine Freundin, ebenfalls lesbisch und ehemalige Gemeindereferentin erklärte sich bereit, die Zeremonie zu moderieren.
Sie entzündete zu Beginn eine gestaltete Kerze. Gäste waren gefragt worden, zu erzählen, was sie mit dem Paar verbindet und wie sie die Beziehung erleben. Kernstück war ein selbstverfasster Verspechenstext. Einige Gäste äußerten sich auch spontan. Die Ringe wurden getauscht. Danach sprachen alle Gäste gemeinsam einen Segenstext.
Die Feier war sehr anrührend, die anschließende Party ausgelassen.
KollegInnen des Paares waren nicht anwesend. Offiziell war es Ellens Geburtstagsfeier im engsten Familienkreis. Nach OutinChurch und der Änderung des kirchlichen Arbeitsrechtes haben beide standesamtlich geheiratet.
Ich bin seit 1995 Diakon und hatte im Jahr 2005 eine Segnung, an die ich mich noch gut erinnere:
Das Paar nahm mit unserer Pfarrei Kontakt auf, weil es kirchlich heiraten wollte.
Beim Ausfüllen des Eheprotokolls wurde jedoch festgestellt, dass eine Person bereits verheiratet gewesen war und somit aus kirchenrechtlichen Gründen eine kirchliche Trauung nicht stattfinden konnte.
Im weiteren Gespräch wurde aber deutlich, dass es dem Paar wichtig war, ihren gemeinsamen Lebensweg unter Gottes Segen zu stellen.
Weil wir merkten, dass wir Zeit brauchten, um eine gute Entscheidung im Blick auf eine mögliche Segnung zu treffen, vereinbarten wir einen weiteren Termin. Bis dahin konnten wir alle uns über die Möglichkeit einer Segnung Gedanken machen.
Ich tauschte mich mit dem Pfarrer aus. Er stellte, nachdem ich ihm hiervon berichtet hatte, die Frage: „Hast du damit Problem?“ Ich verneinte. Da sagte er zu mir: „Dann mach es!“
Beim zweiten Treffen sagte mir das Paar, dass es auch eine Segnung vorschlagen wollte, weil es sich diese Möglichkeit gut vorstellen könne.
Daraufhin haben wir die Feier gemeinsam vorbereitet. Wir haben vereinbart, dass beide in der ersten Reihe Platz nehmen und dass ich bei der Eröffnung der Segensfeier auf ihre Situation und den Wunsch nach einem Segen eingehe. Die Fürbitten haben wir gemeinsam formuliert.
Diese Erfahrung zeigt mir, dass Lehramt und Pastoral nicht im Einklang stehen. Ich kann das Lehramt und seine Vorgaben nicht völlig außer Acht lassen. Gleichzeitig ist mein Handeln pastoral motiviert, und ich versuche, dem Paar so weit wie möglich entgegen zu kommen. Daher war es mir wichtig, dass wir die Segnung gemeinsam gestaltet haben, sodass es für alle stimmig war.
Diakon Peter
Caro arbeitete in einer leitenden Position bei einem caritativen Träger. Sie lebte offen ihre Beziehung zu Steffi, obwohl es weit vor der OutinChurch-Initiative war. Die Geschäftsleitung wusste es und tolerierte es.
Dann planten Caro und Steffi ihre standesamtliche Hochzeit. Die wurde im kleinen Kreis gefeiert. Am Nachmittag sollte ein großes Fest in einem Lokal an einem See gefeiert werden. In diesem Rahmen wünschten sich beide eine Segnungsfeier. Da sie meine Arbeit kannten, sprachen sie mich wegen einer Segnung an. Ich vermittelte den Kontakt zu einem bekannten Priester.
Am Tag selbst war das Wetter sonnig und warm, so dass auf einem Kai ein Tischchen aufgestellt wurde. Hier stand das Paar, der Priester, ich assistierte und las Lesungstexte, Gedichte, begleitete religiöse Lieder auf der Gitarre. Die Gäste waren auf der angrenzenden Wiese versammelt. So feierten wir einen kleinen Wortgottesdienst.
Beide Frauen hatten einen Versprechenstext formuliert, den sie sich gegenseitig sagten. Ich erinnere mich an die Worte „schockverliebt“ und „Gottes Segen ist uns wichtig“.
Die Stimmung war konzentriert und heiter. Es wurde gelacht und applaudiert.
Ein Wehrmutstropfen an diesem Tag: die Geschäftsführung kam erst nach der Zeremonie, da sie sich unsicher waren, ob es sonst arbeitsrechtliche Konsequenzen für das Paar oder sie selbst bzw. Unruhen im Betrieb gegeben hätte. Aber bei der anschließenden Party feierten sie mit.
In meiner Eigenschaft als Seelsorgerin in einem stationären Hospiz habe ich viele Kranke, Sterbende und ihre Angehörigen begleiten und so manche Lebensgeschichte hören dürfen. Gerade wenn Menschen sich ihrer Endlichkeit bewusst waren und in Begleitung auf Brüche oder Unebenheiten ihres Lebens schauen wollten, brachten sie oft ihre Sehnsucht danach zum Ausdruck, Gott möge ihre Mühen und gelebten Beziehungen anerkennen und wertschätzen, auch wenn ihrer Meinung nach nicht immer alles gelungen war. Von vielen Situationen sind mir zwei besonders in Erinnerung geblieben.
Ein Gast erzählte mir voller Stolz von seinem einzigen Sohn: auf den kann ich mich verlassen. Er hat beruflich seinen Weg gemacht, ist in sicherer Position und kümmert sich vorbildlich um seine Mutter. Schwiegertochter und Enkel seien leider noch keine in Sicht. Dennoch sei er grundsätzlich zufrieden und dankbar und könne nun beruhigt sterben.
Am selben Nachmittag bat der Sohn um ein Gespräch. Er war in Begleitung eines Freundes gekommen, der für alle sichtbar nervös im Park ums Haus herum spazieren ging. Der Sohn erzählte sehr positiv von seinen Eltern und beschrieb sein Verhältnis zu ihnen als gefühlvoll, warm, liebevoll. Dann stellte er mir seinen Begleiter als langjährigen heimlichen Lebensgefährten vor. Er brauchte Rat und Ermutigung, ob und wie er seinem Vater angesichts der besonderen Situation die Wahrheit sagen könne.
Die Sache ging gut aus. Der Vater erzählte mir das Ganze schmunzelnd und meinte, die Hochzeit der beiden hätte er schon gerne noch miterlebt.
Als wir am Bett des Verstorbenen eine Aussegnung feierten, die er sich ausdrücklich gewünscht hatte, erwähnte ich auch dieses Gespräch. Ich war in der glücklichen Lage voller Überzeugung alle im Raum Anwesenden zu segnen, besonders die Liebenden! Und ich konnte einen Priesterkollegen nennen, der schon damals – kirchlich erlaubt oder nicht – von Gott mit Sicherheit gewollte Segnungen auch gleichgeschlechtlicher Paare vollzog. Ich selbst habe damals begonnen zu bedauern, dass ich als „nur Gemeindereferentin und Frau“ nicht autorisiert war, dies zu tun.
Ich bin Mitglied in einem Stammtisch „QueerChrist“. Vor ca. 5 Jahren kam ein Paar aus unserem Stammtisch auf mich zu und bat mich um eine Segnungsfeier für Ihre Beziehung. Eigentlich war ein ökumenischer Gottesdienst geplant, doch der Kollege musste kurzfristig absagen, so dass ich dem Gottesdienst alleine vorstand.
Die Vorbereitung mit dem Paar war eine Freude. Die beiden haben sich sehr intensiv an der Vorbereitung der Feier und dem Suchen nach den Texten beteiligt. Es waren sehr persönliche Gespräche, viel persönlicher als ich sie mit den meisten sonstigen Brautpaaren erlebe. Der Segen Gottes für ihre Beziehung war beiden sehr wichtig, weil sie in ihrer jeweiligen Konfession sehr eng mit ihrer Kirchengemeinde aufgewachsen sind. Sie haben sich auch den Bibeltext selbst ausgesucht und sich intensiv damit beschäftigt.
Die beiden waren schon einige Jahre zusammen, hatten beruflich und in ihrem Umfeld einen guten Stand und ihre Familien haben ihre Beziehung mitgetragen.
Da ich mit den beiden befreundet bin, war mir eine persönliche Feier wichtig. Ich wollte keine offiziellen Texte aus dem Traurituale. Die beiden haben sich ganz persönlich in ihren eigenen Worten ihr Versprechen zugesagt.
Der Gottesdienst fand in einer evangelischen Kirche statt.
Bei den Gebeten und Texten habe ich Anleihen beim altkatholischen Rituale zur Partnerschaftssegnung und bei evangelischen Agenden genommen.
Ich habe den Gottesdienst als sehr fröhliche, persönliche Feier erlebt.
Mittlerweile kommen auch Paare mit der Bitte um einen Segen zu mir, die von Kollegen geschickt werden: „Ich mache das nicht, aber da gibt es einen, der das macht!“
Unser Stammtisch gestaltet einmal im Jahr einen queeren ökumenischen Gottesdienst, wo es auch die Möglichkeit zu Einzel- und Paarsegen gibt. Beim ersten Mal bin ich förmlich überrollt worden. Mittlerweile sind wir jeweils zu dritt oder viert zum Segnen.
Meine Motivation queere und andere Paare zu segnen, die nicht kirchlich heiraten können, ist meine Überzeugung, dass es Gott ist, der segnet. Ich, wir habe/n nicht das Recht zu entscheiden, wer gesegnet werden darf oder wer nicht. Gott führt Menschen in vielfältiger Weise in Liebe zusammen.
Das dürfen wir als Kirche annehmen und uns mit diesen Paaren freuen. Die Paare bitten um den Segen Gottes - nicht, weil sie eine Show wollen, sondern weil ihnen ihr Glaube auch in der Partner\*innenbeziehung wichtig ist.
Es war lange vor „Fiducia supplicans“ als ich zum ersten Mal von einem schwulen Paar angefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, ihrer Beziehung Gottes Segen zu vermitteln. Die Anfrage kam schriftlich und war äußerst vorsichtig formuliert. Es war deutlich spürbar, dass die beiden Angst vor einer ablehnenden Antwort hatten, ja, dass sie im Grunde bereits mit einer ablehnenden Antwort rechneten.
Ich gebe zu, dass ich mich von dieser Anfrage nicht nur herausgefordert, sondern auch ein bisschen geschmeichelt fühlte. Und so sagte ich spontan zu. Angst vor Konsequenzen vonseiten meiner kirchlichen Vorgesetzten hatte ich kaum. Schließlich stand ich damals bereits im Dienst der Erzdiözese München und Freising, die für einen eher pragmatischen Umgang mit solchen Angelegenheiten bekannt war.
Dennoch taten sich ungeahnte Schwierigkeiten auf: Da ich nicht Pfarrer oder Kirchenrektor war, gab es keine Kirche, über die ich selbst hätte verfügen konnte. Also musste ich mich auf die Suche begeben, um einen Pfarrer oder Kirchenrektor zu finden, der uns eine Kirche für die geplante Segensfeier zur Verfügung stellen würde. Um es kurz zu machen: Die Suche war lang und blieb am Ende erfolglos.
Selbst die als ausgesprochen liberal bekannten Münchner Priester, an die ich mich wandte, gaben mir zur Antwort, dass sie durchaus bereit wären, uns ihre Kirche zur Verfügung zu stellen – allerdings unter einer Bedingung: Die Segensfeier musste diskret, ohne öffentliche Ankündigung und damit im Prinzip hinter verschlossenen Kirchentüren stattfinden. Dazu aber war ich nicht bereit.
Wenn ich eine solche Segensfeier halten würde, dann nur öffentlich, ohne jedes Versteckspiel und jede Heimlichtuerei. Alles andere erschien mir unwürdig, unzumutbar, unredlich – kurzum: falsch. Ich beriet mich mit dem schwulen Paar, was wir tun könnten. Und wir beschlossen, nicht länger um eine Kirche zu betteln, sondern die Feier stattdessen an einem anderen, zivilen Ort zu halten.
Dafür gab es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder könnten wir die Segensfeier in dem Gasthaus halten, in dem wir anschließend zu Mittag essen würden, oder aber irgendwo im Freien. Doch dann hatte einer der beiden eine geniale Idee: Da wir im bekannten Münchner Schwulenlokal „Deutsche Eiche“ zu Mittag essen würden, schlug er vor, die Segensfeier auf die dortige Dachterrasse zu verlegen!
Tatsächlich verfügt die „Deutsche Eiche“ über eine wunderbare Terrasse hoch über den Dächern der Münchner Innenstadt. Dort würden wir, wie mir gleich in den Sinn kam, von den zahlreichen Münchner Kirchtürmen in all ihrer Vielgestaltigkeit umgeben sein. Das schien mir als ein passendes Zeichen: als Ausdruck von Vielfalt und zugleich als Ausdruck einer (wenn auch fernen) kirchlichen Präsenz.
Somit waren wir uns einig. Vonseiten der „Deutschen Eiche“ gab es keinerlei Widerstände oder Einwände – im Gegenteil: Bereitwillig wurde die gesamte Dachterrasse für uns reserviert und uns sogar ein Tisch bereitgestellt, der als eine Art Altar dienen konnte. Ich brachte ein passendes Altartuch, ein Kruzifix und zwei Leuchter mit, und fertig war unser eigenes Gotteshaus mitten im „Münchner Himmel“!
Die Segensfeier war für den späten Vormittag geplant, um anschließend ohne große Verzögerung zum Mittagessen übergehen zu können. Woran wir nicht gedacht hatten: Als wir die Feier gerade beendet hatten, war es genau 12:00 Uhr. In diesem Moment begannen überall um uns herum die Glocken zu läuten! Allen Anwesenden erschien dies wie ein Zeichen, ja eine Bestätigung vom Himmel: Gott war bei uns!
Das Paar: Dominica und Andreas
Dominika und Andreas, ein Paar, das ich vorher nicht kannte, hatten mich bei einer Segensfeier eines befreundeten Paares erlebt. Sie sprachen mich an, dass sie ebenfalls bald heiraten wollten und mich gerne dabeihätten.
Dominica und Andreas waren bereits seit über zehn Jahren zusammen und hatten drei Jahre im Ausland gelebt. Im Jahr 2020 wurde hier in der Gegend gemeinsam ein Haus gebaut.
In der Begleitung der beiden war es mir wichtig, ihre individuelle Geschichte zu hören: Was macht die beiden als Paar aus und was wünschen sie sich? Was bedeuten Glaube und Kirche für sie? Ich wollte einfach gut verstehen, wie sie sich ihre Feier vorstellen und worauf sie sich einlassen können.
Freie Trauung oder Segensfeier?
Zu Beginn sprachen Andreas und Dominica von einer „Freien Trauung“, die sie feiern wollten. Mir war es wichtig, zu erklären, dass es da einen Unterschied zu einer Segensfeier gibt: Dabei wird gebetet, gesungen und ein Text aus der Bibel gehört. Und es wird Segen zugesprochen. Wenn sie wirklich eine Freie Trauung wünschten, wäre ich nicht die richtige Person für sie. Letztendlich haben wir gemeinsam eine Segensfeier entwickelt, die in ihrer Form und Gestaltung zu ihnen passte. Ich war überrascht, dass das am Ende ein zutiefst katholischer Wortgottesdienst war – aber durch unseren Austausch und den gemeinsamen Vorbereitungsprozess spiegelte genau das ihre Wünsche und Vorstellungen wider.
Und so wurde es eine wundervolle, herzliche, persönliche und emotionale Segensfeier. Viele Gäste sprachen mich hinterher an und äußerten, wie sehr es ihnen gefallen hat – und dass sie sich freuen, dass die Kirche so etwas anbietet.
Überzeugung und Motivation
Ich bin ein großer Fan von Hochzeiten und habe immer gerne Paare in der Hochzeitsvorbereitung unterstützt, insbesondere beim Gottesdienst. In den letzten Jahren habe ich jedoch festgestellt, dass immer weniger Paare sich mit der traditionellen kirchlichen Hochzeit identifizieren. Viele wählen stattdessen die Form der „Freien Trauung“. Ich kann gut nachvollziehen, wie wichtig eine gut gestaltete Hochzeit für Eheleute ist, und ich freue mich, dass unsere Kirche neue Wege geht.
Die Segensfeiern, die individuell gestaltet werden können, sprechen alle an, die sich lieben – auch gleichgeschlechtlich Liebende oder wiederverheiratete Paare. Es ist wichtig, dass Paare, die sich nicht mit einer traditionellen kirchlichen Hochzeit identifizieren, dennoch die Möglichkeit haben, ihre Partnerschaft und Liebe unter den Segen Gottes zu stellen. Ganz unter dem Motto: „Zum Glück gibt’s Segen!“
Die Erfahrung von Dominica & Andreas können Sie weiter oben lesen.
In meiner Eigenschaft als Seelsorgerin in einem stationären Hospiz habe ich viele Kranke, Sterbende und ihre Angehörigen begleiten und so manche Lebensgeschichte hören dürfen. Einmal wurde ich zu einem Gast gerufen, der erst einige Stunden zuvor im Hospiz angekommen war. Als ich das Zimmer betrat, lag im Bett ein völlig erschöpfter Mann mittleren Alters. Um ihn herum mindestens 8 Personen, darunter seine Eltern, Geschwister, Freunde und eine deutlich jüngere Lebensgefährtin. Ich merkte, dass hier klare Worte und sicheres, umsichtiges Handeln nötig waren. Behutsam sprach ich an, dass ich schon beim Betreten des Zimmers ganz viel Zuneigung spürte. Ob alle genug Platz und Luft zum Atmen hätten, fragte ich. Da mussten die Anwesenden selbst schmunzeln und verneinten. Folglich war es leicht, alle zu Kaffee und kühlen Getränken auf die Terrasse einzuladen.
Mit der Lebensgefährtin allein ging ich zurück ins Zimmer. Liebevoll setzte sie sich ans Bett. Beide weinten. Während sie seine Hand hielt, erzählte sie, er sei geschieden. Beide hätten miteinander über eine Hochzeit nachgedacht, aber seine Scheidung und ihre verschiedenen Konfessionen stünden im Weg – und dann auch noch die erst seit einigen Wochen bekannte todbringende Krankheit. Angesichts des schwachen Allgemeinzustands des Mannes waren alle diensthabenden medizinischen Fachkräfte sich einig: Viel Zeit wird nicht mehr bleiben.
Ich ging mit meinem Gott ins Gespräch. Dann besuchte ich die Zugehörigen auf der Terrasse. Anschließend brachte ich eine Bibel und eine Kerze ins Zimmer und erzählte von meinem festen Glauben daran, dass Gott Liebende zusammenführt und seinen Segen dazu gibt, weit über unser menschliches Begreifen und vor allem über den Tod hinaus. Die Stimmung im Zimmer war dermaßen dicht und liebevoll, dass ich mich nach wenigen Worten und Augenblicken tiefen Verstehens zurückzog. Ich ging wieder nach draußen und war für die Zugehörigen da. Im Zimmer waren Mann und Frau füreinander da und in allem war Gott.
Ich wünsche mir und uns allen noch viel mehr Mut, Menschen und ihre Sehnsucht nach der Nähe Gottes mit klaren Worten, die aus dem Herzen und von Gott kommen, mit gefühlvollen Gesten zu begleiten – und zwar in jeder Situation menschlichen Daseins.
Kontakt
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· Wir lieben uns! – Welch ein Segen!, Gebete für Segnungen für Paare, die sich lieben, Diözese Rottenburg-Stuttgart
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